Rating-Agenturen sollen in Zukunft staatlich kontrolliert werden. Sie stehen im Verdacht, nicht unparteiisch die Benotung von Unternehmen oder Wertpapieren vorgenommen zu haben. Dabei sind Ratings nichts anderes als Meinungsäußerungen. Aber wie funktionieren die?
Seit mehreren Jahren werden Rating-Agenturen für ihre Benotung von Finanzprodukten, Unternehmen oder Staaten heftig kritisiert. Sie gelten als Mitverursacher der Immobilien- und Finanzkrise. Hypothekenbesicherte Wertpapiere, die sich spätestens ab 2007 als toxisch erwiesen, wurden von einigen Rating-Agenturen als sicher eingestuft und bekamen teilweise Bestnoten.
Die Bundesregierung stellt die Agenturen deshalb nun unter eine stärkere Kontrolle. Ab September dieses Jahres stehen Rating-Agenturen unter der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Das bedeutet, dass die Agenturen einmal jährlich von einem Wirtschaftsprüfer untersucht werden. Auch Methoden und Modelle sollen öffentlicher werden.
Ratings sind Meinungsäußerungen
Das ist ein ziemlich großer Aufwand seitens des Staates und damit des Steuerzahlers – vor allem, wenn man bedenkt, dass Ratings nichts anderes als Meinungen sind. Sie geben die Meinung von Analysten wider, die sich anhand der Auswertung von Daten ein Bild über die Kreditwürdigkeit des Emittenten, d. h. der Gesellschaft oder Körperschaft, die die Wertpapiere herausgibt, machen.
Meinungen kann man aber ändern je nach dem wie sich die Situation des Emittenten ändert. Rating-Agenturen passen ihre Ratings dementsprechend an. Es gibt deshalb bei den Agenturen ein Notensystem. Die Wertpapiere werden innerhalb dieses Systems herauf oder herabgestuft.
Wie funktioniert ein Rating?
Die meisten Rating-Agenturen, wie Standard & Poor`s (S&P), vergeben AAA als Bestnote. S&P definiert diese Bewertung mit: „Die Fähigkeit des Schuldners, seine finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen, ist herausragend“. Das schlechteste Rating ist das D: „Zahlungsausfall bei finanziellen Verpflichtungen“.
Häufig basieren Benotungen auf der Arbeit von Analysten. Das sind Experten, die sich die Unternehmen, Produkte oder Staaten genauer ansehen. Dabei greifen sie auf veröffentlichte Daten, wie etwa Geschäftsberichte, zurück oder orientieren sich an den Medien. Analysten treten jedoch auch direkt mit dem Management von Unternehmen in Kontakt, um sich ein Bild von dessen Fähigkeiten zu machen.
Es gibt allerdings auch Rating-Agenturen, die mathematische Modelle für ihre Bewertungen nutzen. Dabei werden Daten aus den Finanzberichten sowie öffentlichen Mitteilungen in eine Software eingegeben. Daraus entsteht dann eine Beurteilung, die oft aus quantitativen Daten gewonnen wurden. Eine qualitative Einschätzung der Kreditwürdigkeit muss von einem Analysten getroffen werden.
Der Knackpunkt: die Bezahlung von Rating-Agenturen
Die Schwierigkeiten entstehen dann, wenn es um die Bezahlung der Agenturen geht. In der Regel sind es die Emittenten selbst, die das Rating bei den Agenturen in Auftrag geben. Dass der Kunde nicht gerade die schlechteste Note bekommt, ist wohl klar. Denn längerfristig werden die Agenturen Aufträge verlieren, wenn sie den Emittenten für teures Geld schlechte Ratings verkaufen.
Besonders kritisch wird die Sache, wenn es um Finanzprodukte geht. Diese sind meistens aus verschiedenen Wertpapieren zusammengestellt. Bei den sogenannten Subprime-Papieren wurden faule Kredite verbrieft. Rating-Agenturen standen für zahlreiche solcher Produkte Paten. Die Papiere, bei deren Zusammenstellung die Agenturen halfen, wurden dann auch noch mit Bestnoten bedacht.
S&P versucht das Problem zu lösen, indem ein strikte Trennung zwischen Ratingerteilung und Analyse erfolgt. Ein Ratingkomitee nutzt die Ergebnisse der Analysten zwar, um eine Benotung durchzuführen. Der Analyst selbst hat aber keinen Einfluss auf das Rating der Papiere.