Die deutsche Investment-Branche legte 2009 wieder kräftig zu. Nachdem sie 2008 einen heftigen Einbruch erleben musste, erhöhten sich die Mittelzuflüsse um rund 200 Milliarden Euro. Vor allem institutionelle Anleger trauen sich, wieder verstärkt zu investieren. Dagegen hat der Privatinvestor sein Misstrauen immer noch nicht überwunden. Das soll sich 2010 ändern.
Im vergangenen Jahr konnte die deutsche Investment-Industrie wieder ein Wachstum gegenüber 2008 erreichen. Das teilte der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) am Montag mit. Demnach verwaltete die Fonds-Branche per 31. Dezember 2009 ein Vermögen von etwa 1,7 Billionen Euro. Im Vergleich zu dem Jahr davor stiegen die Mittelzuflüsse damit um rund 200 Milliarden Euro.
Nach Angaben des BVI kann die Investmentfonds-Branche damit wieder an den Stand von Ende 2007 anknüpfen. „Die deutsche Investmentfondsbranche ist von Neuem auf Wachstumskurs und hat alte Höchststände wieder erreicht“, sagte Wolfgang Mansfeld, bis Montag der amtierende Präsident des BVI.
Ende 2009 betrug das in Publikumsfonds, also Investmentfonds an denen jeder Anleger jederzeit einen Anteil erwerben kann, angelegte Vermögen rund 650,2 Milliarden Euro. Die Anleger investierten im letzten Jahr etwa 2,1 Milliarden Euro in diese Anlageform.
Privatanleger halten sich immer noch zurück
Hier wird für die Branche auch das Manko deutlich. In Publikumsfonds investieren vor allem Privatanleger – und die haben sich im vergangenen Jahr noch stark zurückgehalten. Deshalb plant der BVI in diesem Jahr, die Öffentlichkeit besser über Investmentfonds als Instrument der Altersvorsorge zu informieren. Dazu schickt der Frankfurter Bundesverband eigens einen Geschäftsführer nach Berlin. In Zukunft soll auch die Politik stärker mit dem BVI zusammenarbeiten.
Vor allem Aktienfonds konnten bei den Publikumsfonds 2009 starke Zuwächse erzielen. Deren Volumen vergrößerte sich um 14,6 Milliarden auf 196,7 Milliarden Euro. Mischfonds, d. h. Fonds, die sowohl in Aktien als auch in festverzinsliche Rentenpapiere oder Immobilien investieren, erhielten Mittelzuflüsse von etwa 6,4 Milliarden Euro.
Dagegen zogen Investoren ihre Anlagen aus den Geldmarktfonds im letzten Jahr massiv ab. Etwa 30 Milliarden Euro verloren diese Fonds bis Ende 2009. Geldmarktfonds legen ihre Mittel hauptsächlich in Tages- und Termingeld oder Geldmarktpapieren an.
Grund für das Misstrauen der Investoren in Geldmarktfonds sind laut dem Branchenverband BVI neben den niedrigen Zinsen auch eine mangelhafte Risikoklassifizierung. Seit Frühjahr 2009 teile die Branche die Geldmarktfonds deshalb in klassische und chancenorientierte Produkte ein.
Auch Offene Immobilienfonds erzielten letztes Jahr Zuwächse. Insgesamt investierten Anleger rund 3,2 Milliarden Euro in diesen Fondsbereich. Während 2008 etwa 14 Prozent der Fondsbesitzer in Offene Immobilienfonds anlegten, erhöhte sich deren Anteil 2009 auf rund 20 Prozent.
Institutionelle Anleger wieder stärker im Markt
Als festes Standbein der Investmentfonds-Branche erwiesen sich im vergangenen Jahr die institutionellen Anleger. Diese investierten insgesamt etwa 31 Milliarden Euro in Spezialfonds, also Fonds, die ausschliesslich institutionellen Investoren zugänglich sind. Damit stieg das Volumen dieser Fonds auf 725,6 Milliarden Euro an.
Einen besonderen Anteil daran hatten börsengehandelte Exchange Traded Funds (ETFs). Diese passiven Investmentfonds, die nicht von Fondsmanagern verwaltet werden, erhielten Mittelzuflüsse von rund 10,3 Milliarden Euro. „ETF haben sich damit zu einem wichtigen Segment der Investmentfonds entwickelt und tragen maßgeblich zum Erfolg der Branche bei“, meint Mansfeld.
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