Für Schwellenländer-Investoren bietet Osteuropa fassettenreiche Anlagemöglichkeiten. Die Entwicklungen in der Region sind jedoch äußerst unterschiedlich. Während Polens Wirtschaft wächst und wächst, schwächelt Ungarn weiterhin. Am stärksten dürfte sich 2010 allerdings Russland entwickeln.
Die wirtschaftlichen Stimmungen in Osteuropa sind so unterschiedlich wie in kaum einer anderen Region. In diesem Jahr dürfte auch hier ein Wirtschaftswachstum zu erwarten sein. Dennoch haben die einzelnen Länder der Region mit verschiedenen Problemen zu kämpfen. Die Weltbank rechnet für 2010 bei der Wirtschaft von Osteuropa mit einem Zuwachs von lediglich 1,3 Prozent. Sorge bereitet vor allem der in der Region noch schwach ausgeprägte Finanzsektor.
Polen als einziges europäisches Land nicht von Rezession betroffen
Die polnische Wirtschaft konnte als einzige in Europa der weltweiten Krise widerstehen. Für 2009 weist Polen ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent auf. Das gab das Statistikamt GUS bekannt. Für 2010 erwartet das Land einen Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von rund drei Prozent.
Grund für die positive wirtschaftliche Entwicklung im vergangenen Jahr ist vor allem die geringe Abhängigkeit von Exporten. Lediglich 40 Prozent des BIP wurde durch die Ausfuhr von Waren erzielt. Außerdem hat die polnische Regierung mehrere Milliarden Euro in den Ausbau der Infrastruktur investiert. Dies hat Experten zufolge ebenfalls zu der guten Wirtschaftsleistung beigetragen. Zuguterletzt verfügt Polen derzeit über eine sehr gute Binnennachfrage.
Ein weiterer Aspekt für die Ausnahmeentwicklung von Osteuropas größter Volkswirtschaft ist die Abwertung der Landeswährung Zloty. Diese hatte bereits Ende 2008 eingesetzt. Polens Zentralbank hatte nicht dagegen interveniert, so dass der Wechselkurs zeitweise um 27 Prozent nachgab.
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk kündigte eine umfassende Sanierung der Staatsfinanzen an. Das Haushaltsdefizit soll bis Ende 2012 auf drei Prozent des BIP reduziert werden.
Konjunkturprognose 2010 für Tschechien verbessert
Tschechien musste 2009 ebenfalls einen Rückgang der Wirtschaftsleistung verbuchen. Nach Angaben des Finanzministeriums sank das BIP im vergangenen Jahr um rund vier Prozent. Allerdings verbesserte das Ministerium seine Prognose für das laufende Jahr 2010. Demnach werde die tschechische Wirtschaft nicht wie zuvor prognostiziert um 0,3 sondern um 1,3 Prozent wachsen.
Die Wirtschaft von Ungarn schrumpfte im vergangenen Jahr um 6,7 Prozent. Für dieses Jahr gehen Experten von einem eher geringen Wachstum aus. Ungarns öffentliche Verschuldung ist mit 80 Prozent des BIP so hoch wie in keinem anderen EU-Land.
Hohes Wachstumspotenzial in 2010: Russland
Besonders interessant dürfte für Investoren in diesem Jahr allerdings Russland sein. Das Land ist nach wie vor stark von den Gas- und Öl-Märkten abhängig. Der Anteil des Sektors am BIP beträgt ganze 25 Prozent. Experten erwarten 2010 aufgrund der Ölpreis-Rallye für die russische Wirtschaft ein Wachstum zwischen 3,2 und 4,5 Prozent.
Der Eastern Europe Equity Fund von JPMorgan investiert zu 66,6 Prozent in Russland. Der Fonds wurde bereits 1994 aufgelegt und verwaltet ein Vermögen von 776,1 Millionen Euro. Das Team um die Fondsmanager Oleg Biryulyov und Sonal Pandit legt vor allem in den Finanzsektor an. Die Branche ist mit 31 Prozent am Portfolio, also der Gesamtmenge der einzelnen Wertpapiere des Fonds, vertreten. Der größte Wert ist deshalb auch mit 10,4 Prozent die russische Sberbank.
Der Energiesektor macht nur 15,2 Prozent des Fonds-Portfolios aus. Das ist schon verwunderlich, wenn man bedenkt, dass ja Russland besonders von diesem Bereich abhängt.
Mittwoch, 3. Februar 2010
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