Der Ruf nach der alten D-Mark wird in letzter Zeit
immer lauter. Viele Menschen fürchten, durch die Euro-Schuldenkrise in
Südeuropa in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Aber, ob eine Abkehr vom Euro
wirklich eine gute Alternative ist, bleibt fraglich
Die Eurozone ist zur Zeit
massiver Kritik ausgesetzt. Während die wirtschaftlich stärkeren Mitglieder
(darunter Deutschland) mit einem leichten Konjunkturaufschwung aufwarten
können, bereiten vor allem die südlicher gelegenen Euroländer weiterhin Sorgen.
Die aktuelle Schuldenkrise in Europa haben den Eurokurs zunächst massiv unter
Druck gesetzt. Zuletzt hatte sich die Gemeinschaftswährung dann aber erholen
können.
EU und Europäische
Zentralbank (EZB) haben weiterhin alle Hände voll zu tun, die 16 Staaten
umfassende Währungsunion zu stabilisieren. So wurde im Mai eilig ein
Rettungspaket von rund 440 Milliarden Euro geschnürt, das Mitgliedern in Not
finanzielle Hilfe bieten soll. Die EZB kauft nach wie vor Staatsanleihen verschuldeter
Staaten auf dem sekundären Geldmarkt, auch wenn diese Maßnahme erst vor kurzem
von ihrem Umfang her reduziert wurde.
Zahlreiche
Wirtschaftsexperten – und solche, die sich dafür halten – wollen die
Gemeinschaftswährung indes gerne sterben sehen. Hedgefonds-Manager John Taylor
bezeichnete den Euro in einem jüngst erschienenen Interview in der Financial
Times Deutschland als „Fehlkonstrukt“. Für das kommende Jahr sagt er für die
Eurozone eine längere und tiefere Rezession als Ende 2008 voraus. Bei einer Rückkehr zur
Deutschen Mark, so sagt Taylor, wäre er auf jeden Fall „bullish“. Dass er mit
seinem Fonds FX Concepts allerdings auf einen weiteren Verfall des Euro wettet,
soll dabei natürlich keine Rolle spielen.
Aus Großbritannien kam in
der vergangenen Woche eine Studie, die Europa einen wahren Wirtschaftsboom
verspricht, sollte die Eurozone auseinanderbrechen. Schwache Mitglieder würden
wieder wettbewerbsfähiger und insbesondere Deutschland von einer
Wiedereinführung der D-Mark profitieren, heißt es in der Analyse der
Beratungsgesellschaft Capital Economics. Eines der Hauptargumente: Durch eine
aufgewertete D-Mark könnte unser Land mehr importieren und sich unser
Lebensstandard erhöhen.
Nun, das alles sind recht
schwammige Argumente gegen die Gemeinschaftswährung und für eine neue D-Mark. Die
Frage ist zunächst, ob Hedgefonds-Manager, die einen weiteren Kursabfall des
Euro schon aus Investitionsgründen dringend brauchen, überhaupt mit
vernünftigen Argumenten aufwarten können. Dass wir Deutsche durch mehr Konsum
einen höheren Lebensstandard erreichen, ist natürlich einleuchtend. Allerdings
sind wir ja nunmal eine Exportnation. Hier ergibt sich deshalb auch die Frage:
Wie wollen wir mit einer aufgewerteten D-Mark an die hohen Ausfuhren aufgrund des
schwächeren Euro anknüpfen? Können wir das überhaupt?
Außerdem müsste bei einer
Rückkehr zur D-Mark ersteinmal geklärt werden, auf welcher Basis die Währung
neu bewertet werden kann. Man kann ja wohl schlecht die vergangenen zehn Jahre
ignorieren und einfach da weitermachen, wo man aufgehört hat.
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