Inflation ist für die Deutschen ein Schreckgespenst. Mit nichts lassen sich Anleger hierzulande mehr in unvernünftige Sachwerte treiben. Dabei kann Inflation auch dabei helfen, die Finanzkrise zu überwinden. Stefan Riße, Chefstratege CMC Markets, beschreibt in seinem neuen Buch, wie das funktionieren kann und wie Investoren ihr Vermögen trotzdem schützen können.
Inflation ist im Augenblick ein viel diskutiertes Thema. Im Zuge der weltweiten Finanzkrise haben die Notenbanken die sich im Umlauf befindende Geldmenge künstlich erhöht, um die Märkte zu stabilisieren. Seit einiger Zeit gibt es Anzeichen für eine seichte Erholung der Weltwirtschaft. Nun müssen die Notenbanken das in den Markt geworfene Geld wieder einsammeln. Andernfalls droht eine schwere Inflation.
Vielerorts flüchten Anleger nun in Sachwerte wie Immobilien, Kunstwerke oder Rohstoffe, um ihr Vermögen vor Verlusten zu schützen. Verkäufern solcher Sachwerte kommt das natürlich gerade Recht. Jetzt lässt sich auch verkaufen, was vor wenigen Jahren nahezu unverkäuflich war. Der Panik der Investoren wird mit wilden Berechnungen immer neue Nahrung gegeben.
Keine Angst vor Inflation
Doch eigentlich ist eine Inflation gar nicht so katastrophal, wie sie so oft dargestellt wird. Sicherlich haben gerade die Deutschen schlechte Erfahrungen mit Hyperinflation hinter sich. Trotzdem kann sie in der aktuellen Situation genutzt werden, aus der Finanzkrise herauszukommen. Stefan Riße, Chefstratege CMC Markets, erörtert in seinem neuen Buch „Die Inflation kommt!“ wie Inflation positiv eingesetzt werden kann.
Mag der Titel auch auf dem ersten Blick etwas bedrohlich wirken. Von Panikmache ist das Buch weit entfernt. Riße weist vielmehr auf das Unausweichliche hin. Eine Inflation ist nunmal in den kommenden Jahren zu erwarten. Er erklärt dem Leser allerdings warum es dazu kommen wird und was man dagegen tun sollte. Zunächst gibt das Buch eine Bestandsaufnahme von dem, was in den vergangenen Jahren passiert ist und wo sich die Wirtschaft augenblicklich befindet. Dann erötert Riße die Konsequenzen daraus.
„In den nächsten drei bis fünf Jahren wird eine Inflation eintreffen, die uns etwa zehn Jahre beschäftigen wird“, sagt Riße. Während Europa mit einer Inflationsrate zwischen fünf und zehn Prozent zu rechnen habe, müssten sich die USA auf sieben bis dreizehn Prozent einstellen, so Riße weiter. Besonders hart werde es allerdings Großbritannien treffen. Nach Auffassung des Börsenexperten werde das Vereinigte Königreich voraussichtlich mit einer Inflation zwischen zehn und fünfzehn Prozent zu kämpfen haben.
„Aus politischen Gründen sollte man die Inflation zulassen“
Allerdings ist die Inflation für Stefan Riße kein Grund, in Panik zu geraten. Im Gegenteil, sie ist seiner Meinung nach die Lösung aus der aktuellen Wirtschaftskrise. Denn würden die Notenbanken die Inflation bekämpfen, müssten sie die Leitzinsen auf fünf bis sechs Prozent anheben. Dadurch würde es aber zu massenhaften Bankenpleiten kommen. Das wiederum hat Folgen für die Realwirtschaft. Die Arbeitslosigkeit würde massiv ansteigen. „Aus politischen Gründen sollte man die Inflation zulassen“, empfiehlt Riße deshalb.
Anlegern empfiehlt er, sich augenblicklich auf Sachwerte wie Gold zu konzentrieren. „Das ist ein absolutes Muss für jeden Investor“, sagt Riße. Mindestens zehn Prozent des Portfolios sollte in das Edelmetall investiert werden. Allerdings rät der Fachmann davon ab, in Schmuck anzulegen. Dies sei keine vernünftige Anlage, da der Anteil des Goldes zu stark variiert. Wenn, dann müssten es schon Barren sein, besser aber noch in Bezug auf die Kosten sind Derivate wie ETFs oder auch CFDs.
Auch bei Immobilien rät Stefan Riße zur Vorsicht. „Ich bin generell ein Freund der eigenen Wohnimmobilie“, gesteht er. „Aber bei vermietetem Wohneigentum müssen sie auf die Zusatzkosten achten. Was muss an Renovierungsarbeiten geleistet werden? Können die Mieter überhaupt zahlen? Da kann der Traum vom Haus als Kapitalanlage schnell zum Alptraum mit zusätzlichen finanziellen Belastungen werden.“
Der Artikel erschien am 15. Dezember 2009 auf AOL Finanzen